Labels & Outings

Hallo, liebe Lesende.

Wie bereits angekündigt, wird es diesen Monat etwas queerer hier. In diesem Beitrag rede ich über (meine) Labels und Outings.

Die Labels, die ich generell für mich nutze, sind im Internet soweit bekannt, wenn man mir ein bisschen länger auf Twitter folgt, wir mal Gespräche in die Richtung hatten oder ihr sie mitbekommen habt. Die Labels stehen nicht explizit in meiner Bio, aber ich mache kein Geheimnis daraus: ace und bi/pan-romantisch – bei letzterem passt für mich grundsätzlich beides.

Worüber ich mich weniger auslasse, sind Mikrolabels, weil ich da selbst immer mal wieder drüber nachdenken muss und es in meinen Augen auch ausreicht, mich grob einordnen zu können.

Ein, zwei Dinge gibt es noch, über die ich hin und wieder mal sinniere, aber bisher so gut wie gar nicht spreche, weil ich noch nicht weiß, ob/welche Bedeutung sie letztendlich wirklich in meinem Leben haben sollen/können/werden.

Meine Queerness ist generell im Freundeskreis und in weiten Teilen des Internets bekannt. Ein großes Outing hat es eigentlich nie gegeben, sondern die Gespräche kamen eher zufällig darauf und dann hat es gepasst, davon zu erzählen. Höchstens in diesen Twitterfrage- und Schreibspielchen bin ich dann mal expliziter geworden, aber da stand ja dann auch quasi eine Frage im Raum.

Eigentlich bin ich zufrieden damit, wie es läuft: Ich kann hier offen damit umgehen, im Freundeskreis offen darüber reden (je nach Freund*in ausführlicher oder allgemeiner) und an Orten, wo es nicht sein muss, wird es nicht zum Thema gemacht.

Trotzdem tappe ich mit diesem an sich funktionierenden Konzept auch in die Unsichtbarkeitsfalle und ja, manchmal finde ich das auch tatsächlich schade. Wenn Leute mich sehen (oder auch nur Dinge aus meinem Leben hören), lesen sie aus meiner langjährigen Beziehung mit einem Mann automatisch entsprechende Tatsachen und mich müsste mich aktiv hinstellen und sagen „Ja, ich bin aktuell mit einem Mann zusammen, aber ich bin ace und bi …“ Das ergibt sich in den meisten Situationen natürlich nicht. Vor allem nicht, wenn nicht einmal ein Gespräch darüber entsteht, denn dann wüsste ich nicht, ob/wie ich es meinem Gegenüber ins Gesicht drücken soll. Je nachdem, in welchem Umfeld das gerade wäre, könnte es das ja auch unnötig schwer machen, unangenehme Kommentare nach sich ziehen oder sogar noch weitreichendere Folgen haben. Also korrigiere ich so etwas, wenn es nicht gerade von Leuten kommt, von denen ich wirklich möchte, dass sie Details über mich wissen, meist nicht, weil es zumindest die sicherere Verhaltensweise ist.

Dass ich eine Beziehung nicht verstecken würde, kann ich allerdings sicher sagen, denn dass mir absichtliche Geheimnistuerei selbst vor dem engsten Freundeskreis absolut nicht gefällt, weiß ich aus meiner Beziehung mit einer Frau. Ich fand es definitiv nicht gut, nicht darüber reden zu können, weil ich nie glücklich damit war verstecken zu müssen, warum es mir gerade so gut geht. Wäre mein Freund nun meine Freundin, würde ich also genauso händchenhaltend herumlaufen wie ich es jetzt tue (und mich auch nicht mehr auf etwas einlassen, wenn ich das nicht auch zumindest mit den Leuten, die mir irgendwie nahe stehen, teilen dürfte).

Obwohl es ‚das dramatische Outing‘ für mich also nie gab, mache ich mir doch hin und wieder Gedanken darum, ob/wann/wie ich darüber mit anderen rede. ‚Wie ich darüber rede‘ ist für mich der Kernpunkt: Niemand anderes hat das Recht einen zu outen (demnach habe ich auch damals dann den Mund gehalten und eher im Nachhinein festgestellt, dass ich so ein Versteckspiel in der Zukunft nicht noch mal könnte) und ich war einmal in eine Diskussion verwickelt, in der mir vorgeworfen wurde, dass ich den Leuten zugestehe, eben auch komplett verschlossen mit diesen Dingen umzugehen.

Die Argumente, dass Sichtbarkeit geschaffen werden muss, damit Queerness in welcher Form auch immer weiter normalisiert wird, habe ich schon eingesehen. Trotzdem gibt es Umstände, warum Personen (noch) nicht darüber sprechen wollen und das gehört akzeptiert. Die einzige Person, die man einfach outen darf, ist man selbst. In allen anderen Fällen sollte man für die jeweiligen Leute da sein, ihnen zuhören, sie unterstützen, wenn sie es wünschen – aber eben nichts über ihren Kopf hinweg entscheiden. Es gibt genug Gründe, den Schritt (aktuell) noch nicht zu gehen und dann hilft es nicht, dazu drängen zu wollen.

So viel zu meinen diesmal doch sehr persönlichen Gedanken. Wie immer könnt ihr euch gerne melden, wenn ihr noch irgendwelche Fragen habt.

Ich wünsche euch noch einen schönen Pridemonth. 🙂

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