Autor_innensonntag: Schreiben als Hauptberuf, wie?

Ich habe lange nichts mehr zum Autor*innensonntag geschrieben und dachte, heute wäre mal ein guter Anlass, um einen kleinen Blogpost zu schreiben. Gebloggt habe ich nämlich auch viel zu lange nicht mehr.

Heute geht es um die Frage „Schreiben als Hauptberuf, wie?“. Die kurze Antwort aus meiner Position lautet: Gar nicht.

Tatsächlich schwanke ich regelmäßig, ob ich überhaupt veröffentlichen will oder nicht. Einerseits fände ich es natürlich auch toll, einen Roman zu veröffentlichen und Menschen mit meinen Werken zu begeistern, aber andererseits habe ich auch ziemlich große Angst vor negativen Reaktionen. Mein Selbstbewusstsein im Bezug auf mein Schreiben ist leider nicht besonders groß und ich fürchte, dass sich das durch (negative) Rezensionen nicht unbedingt verbessern wird. Auch wenn ich natürlich weiß, dass das zum Veröffentlichen dazu gehört und dass man gerade aus kritischen Rezensionen ja auch viel lernen kann. Aber Angst habe ich eben trotzdem davor. Ich bin da einfach sehr unsicher.

Was das Schreiben als Hauptberuf angeht, bin ich mir allerdings absolut sicher, dass es nichts für mich wäre. Mal ganz von der Komponente abgesehen, dass das eine ganze Menge Glück erfordert, dass man mit den richtigen Ideen zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Leute gerät – und das dann auch so halten kann – könnte und möchte ich das einfach für mich persönlich nicht. Zum Einen möchte ich generell nicht selbstständig sein oder etwas in der Richtung. Ich brauche schon alleine für meine Psyche ganz viele Sicherheiten, allein schon finanziell. Wenn ich diese Sicherheit nicht hätte, würde ich tatsächlich in ständiger Angst und Unsicherheit leben, und das würde ich niemals wollen.

Ein anderer Punkt ist, dass ich meinen Hauptberuf als Tourismuskauffrau leidenschaftlich und abgöttisch liebe. In den vergangenen über 1,5 Jahren Kurzarbeit aufgrund von Corona habe ich schon ausreichend gemerkt, wie sehr meine Kreativität unter der fehlenden Auslastung gelitten hat. Ich bin nicht inspiriert, wenn ich so viel Zeit zu Hause verbringe. Ich bin nicht motiviert, wenn ich mehr Freizeit als berufliche Beschäftigung habe. Arbeit ist wichtig für mich, ich mag meinen Job und außerdem bringt mein Job mir die psychische und emotionale Stabilität, die ich brauche, vor allem dadurch, dass ich einen festen Tagesablauf habe. Ich möchte nicht von meiner Kreativität abhängig sein müssen. Ich will nicht, dass meine Finanzen – abgesehen von Glück, was für mich schon schlimm genug wäre – vor allem auch von meiner Kreativität abhängen. Denn was ist, wenn ich mal keine Idee habe? Wenn ich mal nicht zum Schreiben motiviert bin, wie in den letzten 1,5 Jahren? Das will ich mir gar nicht ausmalen müssen.

Aus diesem Grund wäre es nichts für mich, schreiben zum Hauptberuf zu machen. Denn Funfact: Selbst mit einem bedingungslosen Grundeinkommen (das ich sehr gut fände) oder einem hohen Lottogewinn würde ich immer noch arbeiten. Vielleicht nur noch 32-35 Stunden die Woche statt 40, aber ich würde definitiv noch arbeiten. Und wäre damit vermutlich immer noch kreativer als ich es ohne meinen normalen Hauptjob wäre.

Denn wenn mich die vergangenen 1,5 Jahre eines gelehrt haben, dann das: Wenn ich zu viel Freizeit habe, kann ich sie nicht mehr wertschätzen.  

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