Autor_innensonntag: Schreibanfänge

CNs: Mobbing, Suizidgedanken

Ach, das heutige Thema beim Autor_innensonntag auf Twitter ist doch das perfekte Thema, um mal wieder zu bloggen. Ich sage immer, dass ich schreibe, seit ich einigermaßen schreiben kann. Das fasst es am besten zusammen. Eigentlich habe ich mir schon immer Geschichten ausgedacht. Bevor ich schreiben konnte, habe ich mir quasi Hörspiele ausgedacht und mich dabei aufgenommen. Dann war ich in der ersten oder zweiten Klasse und habe die alte Schreibmaschine entdeckt, die bei uns herumstand. Meine Eltern haben mich dann gesagt, ich solle besser den Computer nehmen, weil ich da einfacher schreiben kann. Gesagt, getan. Also haben mich meine Eltern an den Computer verpflanzt und haben daraufhin sehr oft die Frage “Mama/Papa, wie schreibt man das?” beantworten müssen.

In meiner ersten Geschichte ging es um einen kleinen Wolf und einen kleinen Fuchs, die in einem Wald lebten und sich mit anderen Tieren, zum Beispiel dem kleinen Hasen, angefreundet haben. Mein letzter Stand war, dass mein Opa angeblich noch eine Kopie der Geschichte besitzt, ich weiß gar nicht, ob er die noch hat. So richtig beendet wurde die Geschichte nie, aber das war mein allererster Schreibanfang. Seitdem habe ich eigentlich IMMER irgendwie geschrieben.

So in der fünften Klasse habe ich dann Fanfictions für mich entdeckt, auch wenn ich sie nicht so genannt habe, weil ich den Begriff nicht kannte. Es waren vor allem Self Insert Geschichten zu Digimon, wo ich mich und meine Freund*innen in der Digiwelt Abenteuer habe erleben lassen. Leider existieren die Geschichten offenbar nicht mehr, der letzte Stand ist, dass sie bei meinem Vater auf dem Dachboden waren, aber scheinbar sind die verschollen. Literarisch gesehen ist es darum sicher nicht schade, aber ich hätte es doch sehr interessant gefunden, die heutzutage nochmal zu lesen. Aber auch in alle möglichen anderen Fanfictions habe ich geschrieben im Laufe der Zeit, z. B. Pokémon, Detektiv Conan, Dragonball Z, und das meiste davon waren Self Insert Geschichten. Wenn ich rückblickend über diese Geschichten nachdenke, fällt mir auf, dass manche Geschichten ziemlich eindeutig Abrechnungsgeschichten mit Leuten, die mich gemobbt und ausgegrenzt haben, waren. In den Geschichten habe ich immer triumphiert, während das in der Realität oft nicht so war. Das Schreiben war damals ein extrem wichtiger Coping Mechanismus für mich.

Leider bin ich zeitweise auch so tief ins Schreiben versunken, dass ich die Schule darüber damals sehr krass vernachlässigt habe. Ich habe im Unterricht immer geschrieben. Immer. Vor allem in der siebten und achten Klasse. Auch das war aber, rückblickend betrachtet, ein totaler Coping Mechanismus, denn zu dem Zeitpunkt ging es mir psychisch sehr schlecht und meine Geschichten waren für mich da. Insofern gebe ich dem Schreiben nicht die Schuld, dass ich die Schule darüber vernachlässigt habe, sondern bin eher dankbar dafür, dass ich durch die Geschichten, in denen ich auch mal gewonnen und tolle Dinge erlebt habe, überlebt habe. Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, ob ich ohne das Schreiben heute noch da wäre. Und schon allein deshalb finde ich es so übel, wenn Leute sich über Self Insert Geschichten lustig machen. Für mich ging es nicht darum, mich einfach mit meinem Lieblingscharakter zu verkuppeln (und selbst wenn, wäre auch das ein legitimer Grund), sondern eine Welt zu finden, in die ich passte, während das im echten Leben in meinem (schulischen) Umfeld nicht der Fall zu sein schien.

Irgendwann nach der Schulzeit habe ich dann mit Gedichten angefangen und damit quasi noch einmal (andere) Schreibanfänge gewagt. Die Gedichte wiederum haben mir durchs Studium geholfen, in dem es mir auch nicht sehr gut ging – und durch eine schwierige Zeit danach.

Seit einigen Jahren habe ich ziemlich üble Schreibblockaden und es geht nicht so richtig voran, aber das Schreiben ist trotzdem irgendwie ein wichtiger Teil von mir und hat mir oft geholfen, wenn es mir nicht gut ging. Und wahrscheinlich sogar in der Mittelstufe das Leben gerettet. Selbst wenn ich nie wieder ein einziges Wort schreiben würde, hätte das Schreiben schon allein deshalb einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Und das wird sich wohl auch nie ändern.

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