Blogparade: NaNo – Alles kann, nichts muss

Anmerkung: Heute gibt es einen Gastbeitrag von Serenity Amber Carter, die auf diesem Wege an der Blogparade zum NaNoWriMo teilnimmt. Wir freuen uns sehr, dass sie etwas für unseren Blog geschrieben hat!

Im November nehmen viele Schreibende am NaNoWriMo, dem “National Novel Writing Month” teil. Unter anderem soll das Gemeinschaftsgefühl dabei helfen, einen ganzen Roman mit der Länge von 50.000 Wörtern zu schreiben. Es klingt so einfach und so gut: Gerade mal 1.667 Wörter pro Tag, die man dem Projekt widmen muss, gegenseitige Motivation, damit man das Ganze auch wirklich durchzieht, und am Ende des Monats hat man dann, weil man laut Regeln ausschließlich an einer Geschichte arbeiten darf, einen ganzen Roman geschrieben – juhu!

Schreibende eint die Liebe zum geschriebenen Wort, egal, ob man hauptberuflich Bücher veröffentlicht oder ob man für sich selbst schreibt. Wir lieben es, unseren erdachten Figuren Leben einzuhauchen und aus Wörtern ganze Welten zu bauen, die noch nicht mal den Regeln der Physik folgen müssen. Alles ist vorstellbar – nichts scheint unmöglich.

Jedes Jahr sehe ich auf Social Media Nachfragen, wer denn beim NaNo mitmacht, und ebenso viele Teilnahmeankündigungen. Manchmal macht es den Eindruck, viele Schreibende können gar nicht anders, als mitzumachen. Für viele mag es tatsächlich eine Tradition geworden sein, jedes Jahr im November einen Roman zu schreiben. Nicht wenige schalten den Hashtag aber auch stumm, damit sie davon möglichst wenig mitbekommen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Keine Zeit oder Lust teilzunehmen, keine Idee oder aber schlichtweg keine Lust auf den Stress, den tägliches Schreiben mit sich bringen kann. Denn darauf kann es leider auch rauslaufen: Stress, Leistungsdruck, Versagensängste.

Der Anteil der Schreibenden, die ihre Geschichten veröffentlichen und davon leben können, ist eher gering. Sie schreiben ohnehin regelmäßig – immerhin müssen sie ja ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Zwei bis drei Bücher pro Jahr (oder zum Teil noch mehr) sind da keine Seltenheit. Nur sehr, sehr wenigen ist es vergönnt, ein Buch zu veröffentlichen, das so erfolgreich ist, dass sie danach erst mal Pause machen könnten.

Die meisten Schreibenden verdienen kaum etwas, viele (insbesondere Selfpublisher*innen) zahlen sogar drauf, um sich den Traum zu erfüllen, Bücher zu veröffentlichen. Sieht man Schreiben als Hobby, dann möchte man damit gar nichts verdienen – oder im Falle von Fanfiction darf man das auch nicht.

Ein Großteil der Schreibenden hat also keine finanzielle Abhängigkeit von den geschriebenen Geschichten. Wieso also setzen sich so viele unter Druck, im November möglichst viel zu schreiben, während andere den NaNo fast schon zu verteufeln scheinen?

Aber wieso ist das so? Weshalb schafft es ein Monat, der dazu motivieren soll, einer Leidenschaft mit ganzem Herzen nachzugehen, so gegensätzliche Reaktionen auszulösen?

Ja, es ist schön das Ziel von 50.000 Wörtern zu schaffen und zumindest die Rohfassung einer Geschichte in den Händen zu halten (denn, machen wir uns nichts vor, um die 50k so sauber zu schreiben, dass sie nicht eine einzige Baustelle sind, bedarf es viel Zeit, die nun mal nicht jede*r jeden Tag hat). Selbst wenn ihr auf eine Veröffentlichung hinarbeitet: Man möchte doch auch zufrieden mit dem eigenen Werk sein. Aber erreicht man das mit Druck? Oder landet das Geschriebene dann nicht eh in der Tonne, weil man unzufrieden ist und fängt dann quasi nochmal von vorne an?

Daher frage ich mich: Was ist so schlimm daran, denn NaNo nicht zu schaffen und das Event einfach nur als Schreibmotivation zu sehen? Und woher kommt bei manchen die Abneigung, die dazu führt, dass sie es nicht wenigstens versuchen möchte? Was spricht dagegen, die Vorteile “mitzunehmen” und einfach so teilzunehmen, wie man kann und möchte?

Die Frage ist doch: Wieso schreiben wir wirklich? Weil es uns Freude bereitet? Für Anerkennung? Um mit anderen mitzuhalten oder diese gar zu übertrumpfen? Des Geldes wegen? Um der Realität zu entkommen?

In unserer Gesellschaft wird Leistung und Selbstoptimierung großgeschrieben. Sicherlich ist es nicht verkehrt, einiges zu optimieren, aber wie viel ist zu viel? Muss wirklich alles perfekt sein und irgendeinen Nutzen oder gar Gewinn bringen?

Auf sich selbst zu achten ist wichtig und in der jetzigen Zeit nötiger denn je. Wieso quälen wir uns dann mit selbstauferlegten Vorgaben? Wieso verbiegen wir selbstauferlegte Regeln nicht einfach mal ein bisschen, wenn das doch niemandem schadet? Wieso machen wir nicht wenigstens in unserer Freizeit das, was uns Spaß macht, um unsere Batterien wieder aufzufüllen? Wieso leben wir nicht einfach ein bisschen mehr?

Wenn euch nach schreiben ist, dann schreibt. Wenn nicht, dann fragt euch bitte, wieso ihr euch denn zwingen wollt. Wieso macht ihr stattdessen nicht etwas anderes, worauf ihr Lust habt, und geht zu einem späteren Zeitpunkt motiviert ans Schreiben und habt Spaß dabei?

Momentan haben die meisten von uns schon mit dem Alltag zu kämpfen. Daher: Seid bitte nicht zu hart zu euch und schreibt so, wie es euch Freude bereitet.

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